kunstdidaktik_forschung

Raphael Spielmann

Mixed Reality und Kunstvermittlung:
Kulturerlebnisse im virtuellen Raum und mit sozialer Interaktion

Wie können Ausstellungen digital funktionieren? Museen und Ausstellungshäuser entwarfen schon vor der Pandemie-Situation Online-Ausstellungen und neue Formate. Die Frankfurter Museen SCHIRN, Städel und Liebighaus haben sich die Bezeichnung „Digitorial“ als Marke gesichert. Mit dem Format werden Ausstellungen kuzweilig und anschaulich vermittelt. Und trotzdem sind wir bei dieser Art des digitalen Auftritts auf uns selbst gestellt: Wir erkunden digitale Ausstellungen in der Regel allein am Display – es fehlt die soziale Komponente, der Austausch mit anderen.

Die Möglichkeiten von reinen Video-Meetings, also die Verabredung zum Ausstellungsbesuch per Zoom, Skype oder Jitsi, sind dafür ein schlechter Ersatz, eignen sich diese doch eher für eine Konversation mit klaren Zielen. Werden jedoch gewisse Aspekte miteinander kombiniert, entstehen neue soziale Interaktionsmöglichkeiten in der virtuellen Welt. Hierzu gehören:

  • die räumliche Situation einer virtuellen Ausstellung
  • ein steuerbarer Avatar
  • ein „Proximity Chat“ (auch: Game Chat)

Work Adventure & Co.

Im ersten Lockdown-Semester war an eine Semesterabschlussausstellung kaum zu denken. Doch für das zweite Semester in der Pandemie zeichnet sich eine neue Möglichkeit ab: Eine virtuelle Ausstellung mit sozialer Begegnung! Mithilfe der Plattformen „Work Adventure“ und „GitHub“ sowie mit Hinweisen des „Kulturaggregat“ Freiburg konnte ich für das Institut der Bildenden Künste eine virtuelle Ausstellung entwickeln.

Grundsätzlich bietet Work Adventure dafür eine 16-bit-Pixeloptik an, die an Computerspiele der 80er Jahre erinnert. Um für unsere Ausstellungsgäste jedoch etwas räumliche Orientierung zu geben, entschloss ich mich, den Ausstellungsraum nicht in der 16-Bit-Pixeloptik zu gestalten. Stattdessen verwendete ich den Grundriss unseres Instituts als Fläche, auf der man sich mit dem Avatar bewegt.

Zu Beginn steht die Auswahl eines Avatars:

Die Navigation ist denkbar einfach: Man bewegt sich mit den Pfeiltasten über den Grundriss. Unsere Kunststudierenden stellten ingesamt 132 bildnerische Arbeiten aus den Bereichen Fotografie, Malerei, Druckgrafik, Plastik, Video, Zeichnung sowie „Konzeptionen“ zur Verfügung. Auf dem Grundriss sind diese in Form bunter „Diamanten“ hinterlegt und ansteuerbar:

Grundriss unserer Ausstellung zum Ende des WiSe 20/21

Bewegen wir uns mit dem Avatar bzw. den Pfeiltasten auf einen der Diamanten, schiebt sich von rechts ein Pop-up-Fenster in den Browser und zeigt das jeweilige Kunstwerk an:

Links: Der Avatar befindet sich auf einem der grünen Diamanten. Rechts: Installation „Küchenfliesen 2“ von Annina Piazolo wird angezeigt.

Das besondere an dieser Art von virtueller Ausstellung ist der „Proximity-Chat“. Er bewirkt folgendes: Wenn sich zwei Avatare nähern, öffnet sich automatisch ein Video-Chat und man befindet sich in einer Art Videokonferenz zu zweit. Bis zu vier Personen können auf diese Weise spontan miteinander sprechen. Auf unserer Ausstellung ergaben sich auf diese Weise lustige und spontane Begegnungen.

Proximity Chat (Video Chat/Game Chat) in Work Adventure. WiSe 2020/21

Technische Voraussetzungen

  • Schnelles Internet (am besten LAN-Verbindung)
  • Webcam (Zugriff auf Kamera + Mikro erlauben, wenn danach gefragt wird)
  • Lautsprecher anschalten
  • PC/Laptop/Mac (Tablet oder Smartphone funktionieren nicht)
  • Browser: Firefox oder Google Chrome (Safari funktioniert nicht)


Soziale Voraussetzungen

  • am besten mit anderen Personen hierzu verabreden 🙂


Navigation

  • Vergrößern/Verleinern: STRG und +/- (bei Mac CMD)
  • Forbewegung: mit Pfeiltasten
  • Rennen: Pfeiltasten + SHIFT (Hochstelltaste)


>> Und hier geht es zur virtuellen Ausstellung.