kunstdidaktik_forschung

Raphael Spielmann

Zus. mit Theresa Martinetti

3D-Ansichten als neues Medium der Archivierung und Datenerhebung dreidimensionaler Kinderwerke im Rahmen eines forschenden Studierens

Die Bedingungen innerhalb der Ad-Hoc-Digitalisierung während der Covid-19-Pandemie erfordern auch im WiSe 20/21 weitere Lösungswege um das forschende Studieren im kunstpädagogischen Handlungsfeld weiterhin aktiv zu betreiben. So testen wir Medien der Datenerhebungen und -darstellung, um auch unter diesen besonderen Umständen der Online-Lehre über dreidimensionale Kinderwerke sprechen zu können. Kunst-Studierende der PH Freiburg kooperieren innerhalb zweier Grundlagen-Seminare ausgehend von selbst erstellten dreidimensionalen 3D-Scans ihres erhobenen Datenmaterials innerhalb des Forschungsfeldes der erweiterten Kinderzeichnungsforschung.

3D-Ansicht eines Kinderwerks „Super Mario Level“. WiSe 20/21

Während flächige Kinderzeichnungen sowohl für die analoge als auch für die digitale Archivierung keine besonderen Herausforderungen mit sich bringen, stellen uns dreidimensionale Kinderwerke vor neue Situationen. Wollen sie aufbewahrt werden, nehmen sie oft zu viel Raum ein, Befestigungen in Form von Klebeband oder Leim können sich schneller lösen als vermutet. Eine Archivierungs-Lösung kann deshalb die digitale 3D-Erfassung bieten, die vom aktuellen Erhaltungszustand eine 3D-Ansicht erstellt. 

Für das 3D-Scanning dreidimensionaler Kinderwerke kam das Modell “Leo” der Firma ‘Artec 3D’ zum Einsatz. Das Gerät besitzt auf der Vorderseite Sensoren, um sowohl Geometrie als auch Textur der Produkte  aufzunehmen. Dabei ist es erforderlich, dass die Sensoren das Werk von möglichst allen Perspektiven erfassen. Dafür wird das mobile Handgerät entsprechend um das Werk bewegt:

WS 20/21: Studentin beim 3D-Scan eines dreidimensionalen Kinderwerks. Institut der Bildenden Künste, PH Freiburg

Am integrierten Kontrollmonitor setzt sich die 3D-Ansicht in einem Live-Modus nach und nach zusammen, womit stets ersichtlich wird, welche Bereiche bereits gescannt bzw. noch nicht erfasst sind:

Kontrollmonitor des 3D-Scanners

Ausblick

Für dreidimensionale Kinderwerke können 3D-Ansichten eine geeignete Möglichkeit der Archivierung darstellen. An ihnen können zudem im Kontext der Beforschung mögliche Spielhandlungen von Kindern oder Spielfiguren am Werk nachvollzogen, dokumentiert und präsentiert werden.

Die Studierenden schätzten diese Art der eigenen Datengenerierung  im Rahmen der hybriden Lehre im WiSe 20/21 als aufschlussreich und gewinnbringend für sich ein. Das forschende Lernen am ‘Puls’ des Forschungs-Diskurses erhöhte die Motivation und auch die Wertschätzung gegenüber der eigenen Forschungshaltung, die von den Studierenden als relevant für das spätere Berufsfeld empfunden wurde.

Publikationen

Martinetti, Theresa/Spielmann, Raphael (2021): 3D-Ansichten als neues Medium der Archivierung und Datenerhebung dreidimensionaler Kinderwerke im Rahmen eines forschenden Studierens. In: BDK-Mitteilungen 4/2021.

Spielmann, Raphael (2020): Die Bürger von Calais. Werkanalyse mit 3D-Ansichten und Augmented Reality. Überlegungen und praktische Umsetzungen. In: KUNST+UNTERRICHT 439/440, hg. v. Georg Peez, S. 34-36.

Spielmann, Raphael (2018): Die neue Erfassung der Welt. Wie die 3D-Technologie Alltag, Kunst und Kunstvermittlung verändert. BDK-Mitteilungen 2/2018, S. 20 ff.